Gottesdienst mit Karin Ebert

„Wem folgst du nach?“ war das Thema der Predigt von Karin Ebert am 24. April 2016. Hinter diesem scheinbar unscheinbaren Titel verbarg sich eine Botschaft, die viele Hörer als sehr persönlich empfanden – so sehr, dass diese Zeit sogar als „indirektes Seelsorgegespräch“ bezeichnet wurde. Die lebendige, verständliche und vor allem menschliche Art und Weise, wie sie Ihren Vortrag hielt, holte die damalige Situation der Jünger so greifbar nahe, dass man das Gefühl hatte, live dabei gewesen zu sein. Schon beim Lobpreis war die Gegenwart Gottes deutlich spürbar. 

Franz Illek leitete zur Predigt über und stellte die Gastsprecherin vor, wobei er auf die persönliche Verbindung zu Karin Ebert hinwies.

Die Hauptperson in Karins Predigt war Judas Iskariot. Sie betonte gleich zu Beginn, dass auch er einer der Zwölf war, die Jesus persönlich berufen hatte. Und dennoch war sein Ende ein ganz anderes, wie sie anhand von Apg 1,17ff und Mat 27,6ff belegte. Dabei klärte sie auch, dass die scheinbar so unterschiedlichen Darstellungen aus jüdischer Sicht durchaus keinen Widerspruch darstellen. Ebenso führte sie an, dass die Geschehnisse um Judas und sein Ende schon prophezeit wurden und so kommen mussten. Bis zum Abendmahl war keinem klar, dass Judas zum Verräter werden würde, er vollbrachte, wie die anderen auch, Wunder und trieb Dämonen aus und hatte sogar die Verantwortung über die Kasse.

Aber was war mit Judas zwischen der Auserwählung und dem Verrat passiert? Wem folgte er nach?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, bediente sich Karin einer zweiten Person aus Jesu´ Umfeld zum Vergleich. Auch Petrus traf Fehlentscheidungen, verleugnete und verfluchte Jesus. Was also unterschied die beiden?

Zum besseren Verständnis erklärte sie die Erwartungen der Jünger in den Messias: Als Befreier von den Römern, als irdischen Herrscher von Israel und als den, der ihnen (Minister)Posten verschaffen würde (über deren Verteilung sie auch immer wieder stritten) sahen sie Ihn.

Judas wurden diese falschen Erwartungen zum Fallstrick. Dies kann laut Karin Ebert auch jedem von uns passieren, vor allem, wenn wir eine perfekte Gemeinde erwarten. In diesem Zusammenhang bezeichnete sie selbige als „Krankenhaus für Sünder“ und man selbst sei einer der „Patienten“.

Sie zeichnete den Weg, genährt von den alttestamentlichen Prophetien, wie diese Sehnsüchte in den Jüngern stiegen und dass diese dann in der Speisung der 5000 gipfelten. Nach diesem Wunder hatte Jesus die Menge in der Hand und die Jünger wähnten sich so nahe ihrem erwünschten Ziel. Doch dann schockierte Jesus die Menge und sie verließen ihn. Welche Enttäuschung! Jesus fragte danach sogar die Apostel, die Übriggebliebenen, ob auch sie gehen wollten. 

Jesus fragt auch uns: „Willst auch du weggehen?“ Weil auch wir oft einer Erwartung, einem Ideal, einem Wunder nachfolgen – und nicht Jesus. Petrus antwortet auf diese Frage: „Zu wem sollen wir gehen, du hast Worte des ewigen Lebens“. Auch wenn sie ihn nicht verstanden, erkannten sie, dass er der Messias war und folgten ihm nach – egal was auch kam. Jesus erwiderte aber: „Habe ich euch nicht alle zwölf erwählt – und doch ist einer von euch ein Teufel.“ Was also war geschehen? Judas hatte sich innerlich abgewandt, war in Warteposition gegangen.

Karin führte drei Möglichkeiten an, wie man mit Enttäuschungen umgehen kann:

  1. Gehen
  2. Innerer Rückzug (sehr gefährlich, da dieser Satan die Tür öffnet)
  3. Die EntTÄUSCHUNG von Jesus korrigieren lassen

Weiter sagte sie, dass Enttäuschung einsam machen würde, weil man niemandem mehr trauen würde und dass die Täuschung von Satan kommen würde.

Judas wollte Jesus, also Gott, herausfordern. Er hatte einen „WENN – DANN Glauben“: Wenn du dich als Messias erweist, dann folge ich dir nach. Doch Gott ist, wer er ist – er beweist sich nicht.

Petrus hingegen lässt sich von Gott korrigieren und bleibt trotz allem auch innerlich bei Jesus.

 

So stellt sich auch uns heute, wie damals den Jüngern, bisweilen die Frage: Wem folgen wir nach?! Bleiben wir auch an Jesus, wenn es uns vielleicht alles kostet und wir enttäuscht werden.


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